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Liebe “Kopftuchtragende”

Liebe “Kopftuchtragende”,

sie sprechen davon, dass dein Kopftuch ein menschenverachtendes, barbarisches Kleidungsstück ist. Dass du dein Kopftuch trägst, um dich dem Mann unterzuordnen. Dass du  aufgrund deines Kopftuchs kein selbstbestimmtes Leben führst. Dein Kopftuch – als Zeichen der Unterdrückung.

Die Debatte um dein Kopftuch ist die Stellvertreterschlacht zwischen den Islamkritikern und denjenigen, die den Islam verteidigen. Die einen laufen nackt rum, die anderen verhüllen ihren Körper. Doch die unbekleideten sind keine öffentliche Erregung wert. Du bist die, die sich in der U-Bahn und im Park Anfeindungen ausgesetzt sieht. Du bist die, die das Getuschel hinter deinem Rücken hören muss. Du bist die, die sehen muss, wie Menschen deinetwegen die Straßenseite wechseln. Es ist das Kopftuch, das dich als Trägerin zu einer Person zweiter Klasse in dieser Gesellschaft macht. Gleichzeitig hält man dich für dumm. Man redet in deiner Gegenwart über dich, als ob du nicht da wärst und nicht verstündest, was man über dich sagt. Du möchtest arbeiten, nun gut, dann sollst du dich anpassen und das Stück Stoff ablegen. Dann giltst du als integriert. Es gibt regelrecht einen Zwang für dich, das Kopftuch abzulegen. Solange du es trägt, musst du dich in die Ecke stellen. Du gehörst nicht dazu.

Diverse gesellschaftliche Gruppen haben sich auf die Fahne geschrieben, dich, liebe Kopftuchtragende, zu befreien. Die Rechtspopulisten, Boulevardblätter, Feministinnen und Ex-Muslime. Das Bedecken der Haare wird als Symbol deiner Unterdrückung gesehen. Was ist die Freiheit, über die sie sprechen? Welche Freiheit gilt es denn zu erkämpfen? Ist die junge Frau, die hohe Absätze, enge Sachen, in denen sie friert, trägt, ein Leben lang dabei noch hungert, frei? Ist diese Frau nicht viel mehr die Unterdrückte, die sich dem gesellschaftlichen Zwang beugt, in der Hoffnung,  akzeptiert zu werden und womöglich irgendwann einmal aufzusteigen? War es nicht das Anliegen des westlichen Feminismus zu erreichen, dass die Frau nicht mehr auf ihren Körper reduziert wird? Was hat eine Alice Schwarzer und Co. erreicht? Sie haben erreicht, dass die Frauen unserer Zeit damit beschäftigt sind, ihre Körper zu trimmen, zum Schönheitschirurgen laufen und sich die Lippen aufspritzen. Die Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Bildung nehmen weiterhin wir Männer ein. Für die gleiche Arbeit erhält die Frau immer noch weniger Lohn. Welche Geschlechtergerechtigkeit haben sie erreicht? Die weibliche Fastnacktheit im öffentlichen Raum? Der einzige Verdienst dieses Feminismus ist es, dass die Frau in unserer aufgeklärten Zeit halbnackt rumlaufen darf. Das zeigt doch einmal mehr, wie dringend die muslimische Frau gebraucht wird, um dieses Dilemma zu verhüllen.

Man will dich befreien – und sperrt dich doch ein. Man macht dir den Vorwurf, dass du die Gerichte anrufst, um für dein Recht auf das Kopftuch zu streiten. Sie wollen nicht begreifen, dass das Kopftuch ein Teil deiner religiösen Identität ist, Teil deiner Identität als Bürgerin in einer Demokratie, die dir ein Selbstbestimmungsrecht garantiert.

Liebe “Kopftuchtragende”, ich bewundere deinen Mut. Du bleibst stets aufrecht, auch wenn sich alle gegen dich wenden und ihre Türen vor dir zu schlagen. Du lebst uns vor, was es heißt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

 

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Kommentare

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  1. M.C. says: 29. Dezember 2011

    Danke! Egal was kommt und geht, ich bleibe bei meinem Tuch. Danke!

  2. Alf says: 21. Februar 2012

    “Der einzige Verdienst dieses Feminismus ist es, dass die Frau in unserer aufgeklärten Zeit halbnackt rumlaufen darf.”
    ->Meinst du das ernst?????
    Aber sonst nicht schlecht;)

  3. Olesia says: 7. März 2012

    Bin weder Muslima noch Kopftuchträgerin, aber finde deinen Artikel großartig! Anstatt über Vorurteile, Extremisms und Hass auf beiden Seiten oder soziale Ungleichheit zu sprechen, wird auf die Kopftuchtragenden Frauen (verbal) eingeprügelt.

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