Vorurteile abbauen, Teil 1: Der Islam ist eine terroristische Religion und der „Heilige Krieg“ (vermeintlich: „Jihad“) verpflichtet zum Kampf gegen die „Ungläubigen“
Die Religion des Islams möchte – entgegen dem Vorurteil, sie sei eine Hassreligion und führe zum Kampf und Krieg – die Menschen zum Frieden führen. Der Islam ist Frieden! Unser Gruß ist Frieden! Der Prophet (s.) sprach dazu: „Wahrlich, Gott hat den Frieden zum Gruß unserer Gemeinschaft und zur Sicherheit für all diejenigen gemacht, die unseren Schutz genießen“, und auch: „Frieden hat Vorrang vor dem Wort!“ Im Heiligen Qurʾan ist selbstverständlich vom Jihad die Rede, von der Bekräftigung der Auseinandersetzung des Menschen mit dem Bösen – aber wozu? Schließlich, damit Frieden verwirklicht wird.
Um zunächst einen kleinen Überblick zu schaffen: Das arabische Wort „Jihad“ bedeutet übersetzt „Bemühung“ oder „Anstrengung“ (vgl. Langenscheidt Taschenwörterbuch Arabisch, 2010). Sie umfasst äußere und innere Aspekte des Menschen und gehört zu den Handlungsprinzipien der Muslime. Der Jihad kann im Allgemeinen in zwei Arten unterteilt werden: a) der große/größte Jihad (arab. Jihad ul-Akbar جهاد الأكبر) und b) der kleine/kleinste Jihad (arab. Jihad ul-Asghar جهاد الأصغر).
Der „Jihad ul-Akbar“, also der große Jihad, umfasst den Kampf des Menschen gegen sein Ego (Jihad un-Nafs جهاد النفس), gegen sein Selbst, gegen seine Gelüste und Triebe, mit dem Ziel der Läuterung des Herzens. Der „Jihad ul-Asghar“, der kleine Jihad, besteht darin, sich zulässig verteidigen zu können und beinhaltet jede Art gottgefälliger Handlungen.
Der Kampf gegen das eigene Ego ist also der größere Kampf. Dies verdeutlicht uns auch die folgende Überlieferung des Propheten Muhammad (s.): Als eine Gruppe von Muslimen von einer Schlacht zurückkehrte, sprach der Prophet: „Seid willkommen, die ihr den kleinen Jihad ausgeführt habt. Es soll euch wohlergehen. Dennoch bleibt der große Jihad für euch bestehend.“ Daraufhin fragten sie den Propheten, was er denn mit „großer Jihad“ (Jihad ul-Akbar) meinte. Der Prophet antwortete: „Es ist der Kampf gegen das Ego und die Begierden des Menschen!“
Einige Mittel, den großen Jihad zu praktizieren, sind z.B. die Rezitation von Bittgebeten, aber auch die Dankbarkeit, Reue und Buße.
Was den kleinen Jihad angeht, so ist ein Angriffskrieg oder eine gewaltsame Verbreitung des Islams absolut verboten. Leider wird der Begriff Jihad oft fälschlicherweise mit „Heiliger Krieg“ übersetzt, was absolut inkorrekt ist und den Begriff einengt und verfälscht. Für Krieg ist uns aus dem heiligen Qurʾan ein anderer Begriff bekannt, und zwar „Harb“ (حرب). Das zeigt uns ganz deutlich, dass es einen Unterschied zwischen Krieg und Jihad gibt. Das Ziel ist der Friede, und dieser kann erreicht werden, indem man z.B. Daʿwa betreibt – also zum Islam einlädt -, indem das Eigentum geopfert wird oder das eigene Leben.
Wenn Muslime überfallen werden, dann haben sie nicht nur das Recht, sich zu verteidigen, sondern es ist ihnen auch noch eine Pflicht. Das Schweigen und Hinnehmen einer Aggression wäre nämlich selbst eine Art Aggression, denn es würde bedeuten mitzuhelfen, Gerechtigkeit und Frieden zu beseitigen. Im Qurʾan heißt es dazu [2:272] „… unterdrückt nicht und lasst euch nicht unterdrücken!“, denn beides verhindert Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft. So ist das Ziel der permanenten Anstrengung der Muslime die Beseitigung der Aggression.
Wenn im Qurʾan von „Qital“ (قتال) die Rede ist, ist die Rede vom Kampf im Sinne der aktiven Gegenwehr, wenn die muslimische Gemeinschaft von aggressiven Menschen angegriffen wird. Und in dem Falle, wenn die Muslime überfallen werden, dürfen sie sich verteidigen und haben eben die Pflicht dazu. Unter dem Begriff „Jihad“ im Qur’an werden alle Handlungen verstanden, die mit der aktiven Gegenwehr der Gläubigen gegen alle negativen Elemente zusammenhängen, die von der Realisierung des Islams – der Ergebenheit in Gott – wegführen.
Der folgende Vers des heiligen Qurʾan wird oft erwähnt:
[4:95] „Die unter den Gläubigen, die daheim sitzen – ausgenommen die Gebrechlichen – und die, welche für Allahs Sache ihr Gut und Leben einsetzen, sind nicht gleich. Jene, die sich mit ihrem Gut und Leben einsetzen, werden um Rangstufen über die daheim sitzenden erhöht. Beiden hat Allah jedoch Gutes versprochen, doch denjenigen, die »Jihad« praktizieren (die Mujahedin), hat Er gegenüber den daheim gebliebenen mit großem Lohn ausgezeichnet!“
Hier findet nicht etwa eine Gegenüberstellung von den zwei Arten des Jihads statt, sondern: Derjenige, der den Aggressoren mit seinem Eigentum und seinem Leben in völliger Entschlossenheit gegenübertritt, erhält von Allah eine höhere Stufe als jener, der zögert – zwar glaubt – aber damit seine Pflicht nicht absolut erfüllt.
Ferner darf der Verteidigungskampf zu keinem Rachefeldzug entarten. Vom Islam wird mit großem Nachdruck verworfen, aufgrund niederer Beweggründe – wie Rache – zu kämpfen. D.h. also zusammenfassend:
Der große Jihad besteht darin, gegen sein Ego und seine Triebe zu kämpfen, wohingegen der kleine Jihad nur als zulässige Verteidigung legitim ist. Islamischer Verteidigungskampf ist nur dann gerechtfertigt, wenn dadurch eine Aggression verhindert und Gewalt vermieden werden kann. Der Jihad ist mit dem Krieg unvereinbar und die Übersetzung „Heiliger Krieg“ daher absolut verwirrend und falsch. Der Islam möchte zum Frieden führen und ist eine Religion des Friedens und niemals eine terroristische.
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