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Wa(h)re Frau!

Es ist ein Tag im August 2013 in Köln. Wie so häufig, kauft sie unten am Kiosk einige Sachen ein, die sie sich zuvor zurücklegen lassen hat. Aber an diesem Tag wollte der Kioskbesitzer ihr nicht nur die Sachen aushändigen. Er drängte sie in einen Raum und vergewaltigte sie.

Sie ist Muslimin und er ist deutscher Christ. Warum die Religion hier relevant ist? Keine Ahnung. Vielleicht tat er das ja, weil der Bibel nach Frauen Männern sowieso unterlegen sind. Oder weil im christlichen Deutschland der Mann nach wie vor in höheren Etagen anzutreffen ist, weswegen diese männerdominierende Haltung ihn vielleicht dazu gedrängt hat….

Diese Begründungen sind absurd, weil sie etwas in Beziehung setzen, was kilometerweit auseinander liegt, weil dazwischen noch so viele Faktoren sind, sodass eine Religionszugehörigkeit nie nachweislich eine Vergewaltigung begründen kann. Aber warum wird das im Fall Köln überzeugend angenommen?

In der Silvesternacht 2015 feiern 1000 Menschen vor dem Kölner Hauptbahnhof die Verabschiedung des alten und das Eintreten des neuen Jahres. Plötzlich werden Frauen von einer Gruppe von 40 bis 100 Männern umringt und sexuell belästigt, darunter passiert auch mindestens eine Vergewaltigung.

Die Empörung über solche eine widerwärtige Gewalt ist zweifellos berechtigt und notwendig. Die Anwesenheit der 1000 Menschen und auch der Polizei konnte diesem Verbrechen jedoch kein Einhalt gebieten. Die Täter machten bereits durch das Abfeuern von Feuerwerksraketen inmitten der Menschenmenge auf sich und ihre Vernunftslosigkeit aufmerksam.

Wenn man die Tat der Täter mit ihrem Migrationshintergrund und Muslim-Sein begründen möchte, so könnte man auch fragen, auf welchem Hintergrund und welcher Überzeugung denn die Tatenlosigkeit und die fehlende Solidarität der Zuschauer gründen? Oder auf welche Gesinnung sind die über 800 Angriffe auf Asylbewerberheime und Flüchtlingsunterkünfte zurückzuführen? Auf den deutschen Stolz und Reinheit? Oder doch eher die typisch deutsche Angst? Muss man sich als Deutscher überhaupt für eine widerwärtige Tat rechtfertigen, oder müssen das nur Nordafrikaner, Muslime, Ausländer usw.?

Einige dieser Begründungen scheinen doch ziemlich schwach und zum Teil unsinnig. Aber sie sind es auch in Bezug auf die Täter und die Tat in der Silvesternacht.

Solche Taten wurden nicht von nordafrikanischen, muslimischen Männern und deren Kultur erfunden. Sie werden leider überall auf der Welt durchgeführt, in jedem Land, in jeder Kultur und in jeder Schicht. Wie kann man nur annehmen, dass die Taten aus „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen in muslimischer Kultur“ (ehemalige Familienministerin Kristina Schröder) entspringen, aber sich laut empören, wenn man die im Westen herrschende Offenherzigkeit, die aufreizende und leichtbedeckende Mode von Frauen begünstigt, als einen Teilgrund anführt? Beide Annahmen sind falsch. Eine Frau legitimiert niemals durch ihr Äußeres, dass man sie so abwertend und gewaltsam behandelt. Es ist aber auch nicht die muslimische Kultur, die solch eine Tat legitimiert oder gar zu dieser aufruft. Es ist einfach nur schändlich, solch eine Annahme, die nur auf Vermutungen und Unwissenheit gestützt ist, zu verbreiten und somit eine ganze Gruppe so dermaßen unter Generalverdacht zu stellen. Damit schürt man Rassismus und Hass, und weiter noch nimmt man den allgemeinen Blick auf Männer, die solche Taten ebenfalls begehen, auch nicht-muslimische und nicht-nordafrikanische. Und das ist gefährlich.

Zudem waren die Täter alkoholisiert und haben fremde Frauen angefasst, also ein völlig unislamisches Handeln.

Diese Silvesternacht lässt aber auch über das Frauenbild nachdenken. Denn was war die Reaktion auf diese Nacht? Es wurden nämlich wieder die Farben Weiß und Schwarz ausgepackt, Wir und Sie, Reinheit und Unreinheit. Es wurden nun weiße weibliche Körper abgelichtet, die von schwarzen Händen angefasst wurden. Da kam wieder dieser primitive Instinkt hoch, dass die Ehre, Reinheit und Unschuld symbolisiert im weißen Frauenkörper doch verteidigt werden muss vor dem unzivilisierten kulturlosen dunklen Mann. Und es wurde laut gerufen, während man die nackten Frauenkörper hoch hielt: Respektiert unsere Frauen!

Es ist ein Ereignis voller Ambivalenzen, Widersprüche und Wahnsinn. Das, was das Motiv der Täter in der Nacht mit der eben geschilderten Reaktion darauf gemeinsam hat, ist die Reduzierung der Frau auf ihren Körper. Und beides ist falsch.

Und ja, ich finde es auch widersprüchlich über diesen Sex-Mob Skandal, wie die BILD ihn nennt, auszulassen und auf der nächsten Seite räkelnde nackte Frauenkörper mit billigen Sprüchen abzudrucken. Ich werde auch niemals die ‚Protestaktion‘ von einer Frau Moiré verstehen, die mit ihrem nackten Körper in Köln ein Schild hochhält, dass man sie doch bitte respektieren solle, da sie kein Freiwild ist. Jede Frau, jeder Mensch verdient Respekt, gleich ob er verhüllt oder nackt, intelligent oder unklug, schwarz oder weiß, muslimisch oder christlich ist. Aber damit wird der Protest von Frauen, die mit ihren Argumenten auf sich und auf ihren geistigen! Anspruch aufmerksam machen wollen, überdeckt. Und ein Bild von einer Frau gezeichnet, welches ihrem Wesen nicht gereicht.

Die Frau ist mehr als nur der materielle Körper. Sie ist die Wahrheit und sie ist die Würde, die Schönheit und die Vernunft, die Sicherheit und die Liebe; und das nicht nur, weil alle diese Worte den weiblichen Artikel tragen.

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