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Analyse der Rede des Propheten Muhammad (sas) zum Monat Ramadan

Bismillah

Die Rede des Propheten Muhammad (sas) zum Heiligen Monat Ramadan ist relativ kurz. Dadurch, dass sie so kurz ist, muss sie inhaltlich vielsagend sein. Daher habe ich angefangen, die Rede zu analysieren mit Methoden, die an die qualitative Inhaltsanalyse und anderen hermeneutischen Verfahren angelehnt sind. Dabei vergleiche ich besonders bestimmte Texststellen und Begriffe miteinander, um so ein Muster herauszulesen, das man bei einem oberflächlichen Lesen nicht sofort erkennt. Bereits der erste Absatz beinhaltet viele Botschaften. Daher werde ich immer nur absatzweise etwas posten, und nicht die ganze Analyse aufeinmal. Für die Analyse nutze ich die deutsche Übersetzung, aber immer im Vergleich zum arabischen Original.

Die Rede des Propheten Muhammad zum Heiligen Monat Ramadan:

„Oh ihr Menschen! Wahrlich, der Monat Allahs, Des Erhabenen, ist zu euch gekommen mit Segen, Gnade und Vergebung. Ein Monat, der bei Allah der beste Monat ist, dessen Tage die besten Tage, dessen Nächte die besten Nächte und dessen Stunden die besten Stunden sind. Dies ist ein Monat, in dem ihr zur Gastfreundschaft Allahs eingeladen seid, und ihr wurdet zu den Leuten der Gottesehrung gemacht. Eure Atemzüge in diesem (Monat) sind Lobpreisung, euer Schlaf darin ist Gottesdienst, eure Handlungen darin sind angenommen und eure Bittgebete darin werden erfüllt. Also bittet dann Allah, euren Herrn, mit aufrichtigen Absichten und reinen Herzen, euch zu dessen (des Monats) Fasten und zu dem Rezitieren Seines Buches zu leiten, denn wahrlich, unglücklich ist jemand, dem die Vergebung Allahs in diesem großartigen Monat vorenthalten wird.

Empfang -> Beschreibung -> Einladung der Besonderen -> Wert der Taten -> Folge (Aufrichtigkeit vs. Ungehorsam)

Zuvor ist der Monat Ramadan an alle Menschen herangetreten, ein Empfang für alle Menschen. Demnach sind auch die Segen, Gnade und Vergebung Gottes auch allen Menschen zugänglich. Hiernach geht der Prophet in die Beschreibung des Monats über, dessen Tage und Stunden die besten aller Tage und Stunden bei Allah sind. Dadurch dass der Prophet (sas) betont, dass der Monat, die Tage und Stunden darin „bei Allah“ die besten sind, zeigt er auf, dass es mehrere Bewertungssysteme diesbezüglich gibt. Das bedeutet also, dass diese Zeit von manchen Menschen wie jede andere betrachtet oder bewertet wird.

Im nächsten Satz wird der Prophet konkreter und spricht von Einladung zur Gastfreundschaft Gottes. Dies ist an bestimmte, auserwählte Leute gerichtet. Denn es heißt weiter im gleichen Satz „ihr wurdet zu den Leute der Ehre Gottes (Karamat-ullah) gemacht“. Also indem man den Monat, seine Tage und Stunden darin so bewertet, schätzt und nutzt, dass sie die besten sind, sodann kann man zu den Leuten der Ehre Gottes zugerechnet werden. Denn dann sind auch die einfachsten Taten, wie das Atmen eine Lobpreisung und der Schlaf Gottesdienst. Das Interessante an diesen beiden Taten ist, dass das Atmen für die Lebendigkeit des Körpers notwendig ist. Der Schlaf ist ebenfalls notwendig, da er für den Körper erholsam ist. Wendet man die Vergleiche an, die der Prophet anstellt, so ist das Lobpreisen notwendig für die Lebendigkeit der Seele, und der Gottesdienst eine Erholung für sie. Der Schlaf wird im Quran auch mit dem Tod verglichen, also als ein Leben in der jenseitigen Dimension. Darin steckt sicher auch eine Bedeutung, die aber hier nicht beachtet wird.

Nicht nur die automatisierten Taten wie Schlafen und Atmen sind etwas Besonderes, sondern auch die aktiven Taten, wie das Handeln an sich und das Bitten. Dadurch, dass er betont, dass alle Handlungen angenommen sind, wird eine besondere Wertigkeit und Senbilität für das Handeln ausgedrückt. Also auf die Folgen einer Tat soll man empfindlich achten. Die Empfindlichkeit und Achtsamkeit soll auch dem Gegenstand des Bittens gebühren. So als hätte man für eine bestimmte besondere oder auch kurze Zeit die Möglichkeit erhalten, um etwas zu bitten, was gewährt wird. Bei so einer Gelegenheit konzentrieren man sich auf das Wesentliche.

Wie und um was gebeten wird, wird im nächsten Satz der Rede thematisiert. Der seelische Zustand beim Bitten, soll aufrichtigen und reinen Herzens sein. Schon allein diese Bedingung unterstreicht nochmal, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, und nicht wegen anderen Dingen zu bitten. Das soll heißen, dass man beim Bitten nicht noch andere unwichtige Dinge im Herzen tragen soll. Denn der Monat Ramadan und das Fasten darin wollen das Innere revolutionieren, was oftmals in den Fundamenten der Seele anfangen muss. Man muss sich also fragen, worauf es bei der ganzen Schöpfung und ihrem Ziel überhaupt ankommt, und was mein Anteil ist. Das Fasten bewegt den Menschen in einen Zustand, wo er Abstand von seinem Autopiloten nehmen, und einen anderen Blick auf sich, auf Gott, auf die Welt und die Menschen richten kann. Daher soll für den Erfolg beim Fasten für Gott gebeten werden sowie für die Rezitation seines Buches. Das alles ist scheinbar Bedingung für die Vergebung. Denn der Prophet Muhammad (sas) erwähnt im gleichen Satz, den Misserfolg von Vergebung, und zwar bei jenen Menschen, die ungehorsam oder unglücklich sind (ash-Shaqi). Ash-Shaqi ist eine Person, die ungehorsam und daher auch unglücklich ist. In der Übersetzung heißtes „Unglücklich“. Dieser Satz drückt aber, meiner Meinung nach, weniger einen Gemütszustand aus, als vielmehr einen Zustand der schlechten Seele. Denn wenn jemandem die Vergebung Gottes im Monat Ramadan vorenthalten ist, dann muss dieser eine Seele besitzen, die zu vielen Sünden aufruft und sie begeht.

 #Ramadanmoment2017

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