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Analyse des Propheten Muhammad (sas) zum Monat Ramadan, Teil 2

Erinnert euch durch euren Hunger und Durst in diesem (Monat) an den Hunger und den Durst am Tage der Auferstehung. Spendet euren Armen und Bedürftigen, ehrt eure Älteren und erbarmt euch eurer Kinder, bewahrt die Verbindung zu euren Verwandten, hütet eure Zungen, schlagt eure Blicke nieder vor dem, was anzusehen euch nicht erlaubt ist, hört nicht dem zu, dem zuzuhören euch nicht erlaubt ist und seid liebevoll zu den Waisen der (anderen) Menschen, damit eure Waisen liebevoll behandelt werden. Kehrt euch reuig zu Allah für eure Sünden und erhebt eure Hände zu Ihm mit Bittgebeten während der Zeiten eurer Ritualgebets, denn diese sind die besten Stunden, während denen Allah der Erhabene und der Offenkundige Seine Diener mit Barmherzigkeit ansieht, ihnen antwortet, wenn sie zu Ihm flüstern, bei ihnen ist, wenn sie Ihn anrufen und ihre Bittgebete erfüllt, wenn sie Ihn bitten.

Individuelle Spiritualität (Bitten, Erinnern) à Soziale Verantwortung und Taten à Individuelle Enthaltung à Soziale Normen verbreiten à Göttlich-Individuelle Spiritualität (Reue, Bitte, Anwesenheit Gottes)

Während zuvor allgemein über Handlungen und Bittgebete gesprochen wurde, gibt der Prophet Muhammad (sas) nun konkretere Handlungsempfehlungen oder -aufforderungen, um dem Monat gebührend zu nutzen. Das Besondere daran ist, dass der Prophet mehrmals zwischen individuellem und sozialem Handeln wechselt. Zunächst wird eine individuelle-geistige Tätigkeit erwähnt, nämlich das Erinnern oder Nachdenken (Wadhkuru), das mit der unmittelbaren körperlichen Tätigkeit verbunden wird, und zwar die körperlichen Warnsignale für Mangel, Hunger und Durst. Und als Warnung ist auch der Tag der Auferstehung zu verstehen. Hunger und Durst beim Fasten sollen also an jenen Tag erinnern. Dadurch erhalten wir eine Ahnung von den Zuständen an diesem Tag.

Dann spricht er über soziale Taten, also die Behandlung von anderen Menschen, wie das Spenden an unsere Armen und Bedürftigen, Respektieren oder Ehren unserer Älteren, Erbarmen unserer Kinder, und das Erhalten der Familienbande. Der Prophet erwähnt hier jedoch nur die eigenen Leute (eure Armen, eure Älteren, eure Kindern etc.), also die primäre Verantwortung ist die göttliche, die individuelle und die gegenüber den eigenen Leute. Dann wechselt der Prophet wieder zu individuellen Taten, nämlich das Hüten der Zunge, das Vermeiden des Anblicks und Zuhören unerlaubter Dinge. Diese individuellen Taten beinhalten alle ein Verbot, nämlich das Verbot, unerlaubtes zu sprechen, zu sehen und zu hören. Sieht man sich die prophetische Kampagne zur Verfestigung des Islam bei den Leuten und der Gemeinschaft an, so sind alle zuerst hinabgesandten Quranverse über das spirituelle und geistige Handeln. Zunächst wurde also eine spirituelle Basis gebaut. Erst als der Prophet mit seinen Leuten nach Medina auswanderte und den Stadtstaat gründete, waren die Verse von gesetzgeberischer Natur.

Man kann also den Monat Ramadan als ein Abbild der prophetischen Mission verstehen, indem wir erst unser spirituelles Fundament bekräftigen und dann Gesetze zur Veredlung und Organisation unseres Lebens anwenden. Dann erwähnt der Prophet aber wieder eine soziale und auch emotionale Pflicht, nämlich zu den Waisen der anderen Leute liebevoll zu sein. Die Begründung, dass die eigenen Waisen gut behandelt werden sollen, zeigt, dass das eigene Handeln zu einem Grundsatz des allgemeinen Handelns (siehe Kant) oder zu einer sozialen Norm führen soll; hier einen guten Umgang zu Waisen zu verbreiten.

Mit Bitten und Vergebung Gottes schließt dieser Absatz auch ab. Um Vergebung zu erhalten, muss das Selbst verstehen, dass es etwas falsch gemacht hat und nun gebessert werden muss. Dieses Verständnis ist das Gefühl der Reue. Dieser Seelenzustand bewegt nun zum Bitten mit gehobenen Händen, und das zu einer Zeit, die günstig dafür ist. Diese Zeit ist, dem Propheten nach, bei einem Ritualgebet. Hierin sind die besten Stunden, also er zeigt die besonderen Stunden im Monat Ramadan auf, dessen Stunden ohnehin die besten sind. Diese besonderen Stunden, indem sich der Mensch reuevoll und aufrichtig Gott hinwendet, sind auch jene, in denen Gott seinen Diener mit besonderer Barmherzigkeit betrachtet, wie er seine Seele in einen Zustand der Reue versetzt, wie er aufrichtig über sich und seine Taten nachdenkt. So antwortet Gott, wenn der Diener zu ihm flüstert (najawhu – vertraulich, geheimes sprechend), ohne dass ihn andere hören, Er ihm gewährt (oder bei ihnen ist), wenn der Diener ruft, und ihm gibt, wenn der Diener bittet. Auf dem ersten Blick scheinen diese Handlungen (zu rufen und Gott antwortet) gleich, und sie sind der Bedeutung nach ähnlich. Aber es zeigt eine Anleitung des richtigen Bittens. Nach den Ahadith der Prophetenfamilie sollte man bei einer Vergebungsbitte nach der Bismillah, dem Salawat auf den Propheten Muhammad und seiner Familie, und der Lobpreisung Gottes, die Sünden eingestehen, was man für gewöhnlich leise spricht, damit es niemand hört. Allah s.t gewährt ihn dem Ruf. Hiernach bittet er konkret um die Vergebung, und Allah wird es erhören, so Er will.

Gott fordert also eine aktive Hinwendung und ein Aussprechen der Bedürfnisse. Narrationspsychologisch gesehen, ist diese Forderung des Aussprechens für die Betrachtung des eigenen Selbst sehr wichtig und erkenntnisreich. Denn durch das Aussprechen der Gedanken ordnet und organisiert der Mensch diese Gedanken, damit sie für den Gegenüber verständlich werden, und damit auch für einen selbst. Er kann seine Gedanken und auch sein Selbst damit von einer äußerlichen Perspektive betrachten, und das hilft ihm, viele seiner Probleme zu lösen.

Ein Grund, warum der Prophet zwischen individuellen und sozialen Handlungen oder auch Verantwortung wechselt, ist einerseits, dass man zwar beim individuellen anfangen soll, aber beides sich immer bedingt und braucht. Das soziale Handeln kann nicht vollkommen werden, ohne eine individuelle Basis dafür zu haben. Und um zu prüfen, ob das Individuelle erfolgreich ist, muss es (positive) soziale Folgen bewirken. Der Absatz fängt mit der Bitte zu Allah an, und hört auch damit wieder auf. Dazwischen befinden sich individuelle und soziale Verantwortung und Taten, die schließlich die Vergebung Gottes würdig machen.

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