Die Norm

Hose, Pullover, Mantel, Schal, Sneakers und mein Regenschirm.
Ich öffne die Haustür und gehe in die Welt. Der Berliner Straßenverkehr ist immer etwas hektisch und die Straßen immer etwas überfüllt.
Mir gegenüber sitzt eine Person im grauen Mantel, schwarze Hose und Schuhe und starrt mich jetzt schon seit den letzten acht Haltestellen an.
Ich hab gelächelt, weggeguckt und versucht, es zu ignorieren.
Vielleicht bilde ich mir es auch nur ein?
Nein. Ich fühle es. Jedes einzelne Haar auf meinem Leib, sogar mein Schatten und mein Atem. Ich werde immer noch angeglotzt.
Wie sich die Tiere im Zoo wohl fühlen?
Am Checkpoint Charlie bleibe ich stehen.
Wo ist denn nun dieses verdammte Gebäude, frage ich mich. Hier kann es nicht sein. Sagte die andere Stimme in mir.
Vertieft in meinen Gedanken, im Konflikt mit meiner Erinnerung, kam diese andere Person und riss mich wieder in die Realität. Ich fühlte die Spucke dieser Person auf meiner Wange.
Diese zweite Person lief zu einer Dritten, diese lachte und beschimpfte mich mit irgendwelchen Worten, welche ich nicht hörte.
Denn ich war damit beschäftigt, den Rest der Spucke von meinem Kopftuch ab zu wischen. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass ich eins trage?
Aber wahrscheinlich überreagiere ich auch nur, es sollte inzwischen die Norm sein, für eine wie mich. Oder?

Der Checkpoint Charlie ist ein historischer Ort und das ist meine Geschichte.

Sie sagten mir, ich sei unterdrückt, dabei sind sie es, die mich unterdrücken wollen.
Sie sagten mir, ich sei unfähig, während sie im Hass ertranken und vor Angst platzten und vor Wut schrien.
Ich wusste nicht, dass die Kleidung –
Nein –
Meine Entscheidung,
gar mein Dasein sie beleidigte.

Hab keine Angst Liebste,
sie schreckten nur vor dir,
weil sie innerlich wissen, dass deine Stärke die Einzige ist, die durchhält.

Denn wie bei einer Rose,
versuchen sie dich am Stängel zu greifen,
und die Rose wehrte sich nie,
sie ist nur so gebaut,
dass wahrlich nur der Kluge versteht,
mit welchem Respekt er sie greifen darf.

So sei nicht wie ein Schmetterling,
der mit all seiner Pracht in der Welt umher fliegt,
und seine Flügel nie sieht,
nur die, die ihm hinterherrennen,
um ihn zu fangen,
oder gar,
um ihn an den weichen und so wertvollen Flügeln zu packen.

~Zahraa Saad Lafta (19), Studentin


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