Die Macht des Wortes

Der Mensch der heutigen Zeit sieht sich gern als aufgeklärter, kultivierter und kluger Philanthrop. Klar, wir leben ja auch im Zeitalter der Digitalisierung und des Wandels. Es ist ein Leben im Wettlauf mit der Zeit, man ist darauf gedrillt stets aktuell und immer up to date zu sein.
Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter und versorgt uns sekündlich mit den neusten News. Zu Hause sind wir rund um die Uhr über das W-LAN mit dem World Wide Web connected und selbst der Fernseher taugt nichts ohne seine Smart TV-Features.
Anglizismen sind Teil unseres Vokabulars, sie erweitern unsere Wortwahl und tragen dazu bei, Konversationen moderner,
lebhafter und energetischer zu gestalten. Wir nutzen sie mittlerweile völlig unbedacht und es kommen auch regelmäßig neue dazu, denn auch unsere Sprache macht einen Wandel durch.
Die deutsche Sprache ist geprägt von den unterschiedlichsten kulturellen Einflüssen, was zeigt wie vielfältig und bunt unsere Gesellschaft ist.
Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass es Begriffe in der deutschen Sprache gibt, die veraltet sind und demnach nicht mehr zeitgemäß sind. Die Conclusio daraus wäre logischerweise, dass man diese Begriffe nicht mehr nutzt, beziehungsweise sie durch Modernere ersetzt. Es wäre ja auch keiner so nostalgisch den alten Röhrenfernseher, wegen der „guten alten Zeiten“ aufzuheben, wenn es Ultra-HD Plasma Fernseher zu ergattern gibt.
Es stellt sich demnach die Frage, wieso es so vielen Menschen dann immer noch schwer fällt, bestimmte Begriffe, die ihren Ursprung in der Kolonialzeit haben oder im Nationalsozialismus gängig waren, aus ihrem Wortschatz zu streichen? An Zeiten, mit denen man nichts außer Schrecken, Brutalität und Unterdrückung assoziiert, möchte man doch nicht mehr erinnert werden, oder?

Diese Meinung teilt scheinbar nicht jeder in Deutschland, was die am 29.01.2021 vom WDR ausgestrahlte Talkshow unter Beweis stellte.
Im Rahmen dieser Show wurden vier weiße prominente Personen,
deren Namen irrelevant sind, vom Moderator über ihre Meinungen zum Thema Rassismus und Sprache befragt.
Allen voran stand die Frage im Raum, ob die Verwendung des Begriffs
„Z-Soße“ legitim sei.
Die Meinungen dazu waren einhellig: Es spreche nichts dagegen.
Fragwürdig, denn Fakt ist: Der Begriff ist aufgrund seiner stigmatisierenden und rassistischen Konnotation abzulehnen und gerade Personen des öffentlichen Lebens sollten dazu beitragen rassistische Fremdbegriffe zu dekonstruieren und ihnen gerade keinen Freifahrtschein zu verpassen.
Dies wäre dem Öffentlich-Rechtlichen möglicherweise geglückt, hätte er seine Gästeliste nochmal durchdacht, als er beschloss über so sensible Themen wie Rassismus und Sprache zu diskutieren. Der Sender hätte mit Diversität und verschiedenen eloquenten Sichtweisen an die Themen herantreten müssen, nur so bliebe er der heutigen Zeit gerecht und hätte womöglich eine Bewusstseinserweiterung bei der weißen Mehrheitsgesellschaft ausgelöst.

Das Polaritätsgesetz lehrt uns, reflektiert und wachsam zu sein.
Es gibt nämlich immer zwei Seiten der Medaille. Leider gerät der Mensch in gewissen Situationen in eine Art Spannungsfeld, was ihn dazu veranlasst, sich oftmals für einen Pol zu entscheiden.
Der Umgang mit dem Problem erscheint uns dann leichter, da es nur noch eine Entscheidung zwischen „entweder/oder“ ist,
wobei jede Weltanschauung ein „sowohl/als auch“ hat. Es gibt Mann und Frau, Tag und Nacht, Liebe und Hass, Gut und Böse, Reichtum und Armut und so weiter, das muss uns klar werden.
Wenn wir uns auf eine Seite beschränken und diese eventuell sogar fördern, dann laufen wir Gefahr langfristig das Gegenteil hervorzurufen.
Der Mensch neigt demnach regelrecht dazu das Gute zu wollen,
allerdings das Böse zu schaffen und richtet dadurch einen erheblichen Schaden an.
So erging es dem WDR in ihrer Sendung.
Es ist richtig und wichtig solche Themen in der Öffentlichkeit anzusprechen, es war sicherlich auch gut gemeint, jedoch scheiterten sie an der Umsetzung, denn es fehlte der Gegenpol, der die gesamte Sendung in ein anderes Licht gerückt hätte.

Wir sollten lernen Wörtern mehr Respekt zu zollen und uns ihrer Wirkung und Macht im Klaren zu werden.
Ausgesprochenes kann nicht zurückgenommen werden und Wörter können so viel verletzender sein als manch Schlag ins Gesicht.
So gelingt es uns dann auch gewiss das Gute zu wollen und etwas Besseres zu schaffen.

~ Samar Hejazi

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