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Zwei blinde rechte Augen

2,w=658,c=0.bildDie Geschichte des NSU ist eine des Versagens, des Verdrängens und es droht eine des Vergessens zu werden.

Als vor zwei Jahren bekannt wurde, dass die rechtsextreme Terrorzelle NSU, für die blutigste Mordserie in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik verantwortlich ist, war das Entsetzen groß. Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und anderen Bereichen verurteilten die feigen, hinterhältigen Morde und Anschläge an unschuldige Menschen, denen nichts anderes als ihre Herkunft zum Verhängnis wurde. <!–more–>

Als es um die Aufklärung der Morde und Anschläge ging, bereitete die Herkunft der Opfer, den ermittelnden Behörden Probleme. In den Augen der Behörden konnte über ein Jahrzehnt nicht sein, was nicht sein durfte.

Es wurden alle möglichen Tatmotive, wie Rauschgift, Drogenschmuggel,  Menschenhandel, organisierte Kriminalität und Geldwäsche in Erwägung gezogen. Nur ein rechtsextremes Motiv wurde fast durchweg ausgeschlossen. Die Ermittlungen gipfelten darin, dass die Täter über Jahre hinweg im Umfeld der Opfer vermutet wurden.  Angehörige wurden zu Unrecht beschuldigt und damit kriminalisiert. Aus Opfern wurden mutmaßliche Täter.

Nach Auffliegen der rechtsextremen Terrorzelle NSU, warfen viele deutsche Medien den Sicherheitsbehörden vor, auf dem rechten Auge blind zu sein. Anders sei es schließlich nicht zu erklären, dass offensichtlichste Indizien nicht zur Terrorzelle geführt hätten. Zudem reagierten verschiedene Medien empört darüber, wie es sein konnte, dass Angehörige der Opfer selbst, mit den Morden in Zusammenhang gebracht wurden. Ein berechtigter Vorwurf. Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender des NSU-Bundesuntersuchungsausschusses bescheinigte den Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit den Ermittlungen „massives Behördenversagen“.

Das jedoch ausgerechnet bestimmte  Medien diesen Vorwurf erhoben und den erhobenen Zeigefinger auf die Sicherheitsbehörden richteten, ist angesichts der Medienberichterstattung vor Auffliegen der NSU-Terrorzelle ein gewagter Vorwurf, der postum an die Medien gerichtet werden kann. Man fühlt sich an einen Steine werfenden im Glashaus erinnert.

Das Groß der deutschen privaten- und öffentlich-rechtlichen Medien, übernahm die Verdächtigungen der Sicherheitsbehörden über Täter und Tatmotive ohne diese in der Regel nur ansatzweise zu hinterfragen. Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man manch einen Kommentatoren für einen Pressesprecher der zuständigen Sicherheitsbehörden halten können.

Bereits nach den ersten vier Morden, in den Jahren 2000 und 2001 nannte die Welt eine  Verbindung „in den Rauschgiftbereich“.  2006 nannte die BILD „vier heiße Spuren“: „Drogenmafia, organisierte Kriminalität, Schutzgeld, Geldwäsche“. Am 3. August 2006 nennt Moderator Rudi Cerne in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ drei mögliche Hintergründe: „Organisierte Kriminalität“, „Auftragskiller“ oder „haben sich die Opfer selbst in kriminelle Geschäfte verwickelt?“ Am 12. September 2009 berichtet  Der Spiegel von einer Verbindung der Morde zur deutschen und türkischen Wettmafia. „Wer nicht zahlen kann, der wird übel zugerichtet.“

Schlagzeilen wie diese und die damit einhergehende Art der Berichterstattung zeigt, dass ein Großteil der Medien seiner Rolle als 4. Gewalt im Staate nicht im Geringsten gerecht geworden ist. Von einer  Kontrolle gegenüber der Exekutive kann in diesem Falle keine Rede sein. Eine kritische Selbstreflektion seitens der Medien ist bis heute weitestgehend ausgeblieben.  Die Vermutung liegt nahe, dass Medienschaffende sich entweder bewusst oder unbewusst im Verdrängen geübt haben und nun Gefahr laufen zu Vergessen.

Am zweiten Jahrestag nach Auffliegen der rechtsextremen Terrorzelle NSU (4.11.13) ist das Interesse der großen deutschen überregionalen Medien fast durchweg ausgeblieben. Weder für die „FAZ“, noch für die „Welt“, „taz“ oder „Süddeutsche Zeitung“ war der Jahrestag dieses folgenschweren Datums ein Thema. Einzig der Tagesspiegel berichtete ausführlich auf der ersten Seite, die „Zeit“ erwähnte den Jahrestag nur im Zusammenhang mit einem Prozessbericht.

Die Gefahr des Vergessens ist allgegenwärtig und bereits zwei Jahren nach Auffliegen der NSU akut. Medien wie Politik sind aufgerufen, gegen das Vergessen anzukämpfen. Das beste Mittel dagegen ist das Erinnern. Nicht um des Erinnern Willens, sondern vielmehr um Lehren aus dem Geschehenen zu ziehen. Sicherheitsbehörden sind aufgefordert, rechtsextreme Motive stärker in den Fokus zu nehmen, wenn es um Straftaten gegenüber Migranten geht. Die Medien hingegen sollten gegenüber den Sicherheitsbehörden eine kritische Haltung einnehmen, um ihre Kontrollfunktion gebührend ausüben zu können. Eine Wiederholung der Geschichte, wäre eine Schande für die Bundesrepublik.

 

 

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