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Das Prinzip der Prinzipienfreiheit

Jasmin Mazraani

 

Freiheit …  dies vergötterte Etwas. Man kann ihr nichts anhaben, weil sie sich durch sich selbst erfährt und besteht. So umfassend, jede Schranke durchbrechend, über jede Zurechtweisung erhaben. Sie schwirrt scheinbar wie ein verrückt gewordener Schwarm von Heuschrecken umher, nicht zu bändigen.

Freiheit ist der Wert schlechthin, worauf sich der Abendländer seine Prinzipien aufgebaut sieht. Das Grundgesetz definiert zwar nicht die Freiheit, beschreibt aber was sie alles umfasst, u.a. dies:

Artikel 4: „(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.“

Hier wird Freiheit als etwas Bestehendes mit der Eigenschaft der Unverletzlichkeit dargestellt, es kommt an sie nichts ran, was sie verletzen könnte, der Freiheit des Glaubens des Gewissens und des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses. Diese kann man an sich nichts antun. Kann man?

Einen Artikel weiter:

Artikel 5: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Hier wird die Freiheit praktisch dargestellt, als aktives Handeln, was legitimiert wird. Davon wird reichlich Gebrauch gemacht. Oft muss dann der Artikel 4 darunter leiden, aber Freiheit muss auch das dürfen. Die Beschränkung jedoch zeigt der 2. Absatz von Artikel 5:

(2)Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Ja die persönliche Ehre. Ehre… ein so veraltetes Etwas. Was bedeutet heute noch Ehre? Es ist doch irgendwas Reaktionäres, das Menschen aus dem Orient auf ihre Töchter projizieren und die dann bei Entehrung getötet werden müssen.

Kann jemand auf Anhieb beschreiben, was Ehre für ihn bedeutet?

Ist Ehre überhaupt mit Freiheit vereinbar, wenn Freiheit durch sie beschränkt wird? Wenn Frauen sich für ein Männermagazin ausziehen mit der Begründung ihrer Freiheit, währenddessen Frauen sich verhüllen mit der gleichen Begründung und zusätzlich mit der der Ehre, ist es dann was anderes? Wenn man sich die Diffamierung von verhüllten Frauen anschaut, besonders durch die Presse, muss wohl die Ehre das ausschlaggebende sein, weswegen sie als rückständig und unterdrückt dargestellt wird?! Ist das Innehaben von Prinzipien, was für viele Ehre bedeutet, etwas Überholtes, Obsoletes, etwas Rückständiges? Die nackte Frau würde sich wohl jedenfalls auf ihr Prinzip der Freiheit berufen, wenn sich Männer unbemerkt an ihr erfreuen. Wenn sie sich nun allem entledigt hat, wo fängt ihre vom Grundgesetz geschützte persönliche Ehre an?

Für welche Prinzipien leben wir heute, und sehen in ihnen unsere persönliche Ehre? Für was stehen wir und machen es unverletzlich und unantastbar. Vor was stellen wir uns vor schlechten und gefährlichen Einflüssen, auch wenn wir Schaden davon tragen würden?

Sind jene nicht eher gefährlich? Die für ihre Prinzipien eigenen Schaden aufnehmen würden? Sind Prinzipien für das Leben freiheitswidrig? Sollte man daher nach dem Prinzip der Prinzipienfreiheit leben? Wie oft waren Religionen, Ideologien und Theorien mit ihren Prinzipien Grund für Tod, Unheil und Unsicherheit? Auf welches Prinzip beruft sich Frau Merkel, als sie dem Muhammad Karikaturisten für seinen Mut auszeichnete? Mut, das ist auch so ein Heldenwort aus vergangener Zeit, Mut vor was? Vor einer wütenden Gruppe von Menschen, die sich durch diese Art von Presse- und Meinungsfreiheit in ihrer Ehre verletzt fühlen?

Oder worauf berufen sich jene, die Flüchtlinge aus lebensunwürdigen Gesellschaften, vor ihrer Tür dem Tod überlassen? Ist der Zwang dieser Flüchtlinge so abstoßend? Oder ist es dieses Freisein von Menschlichkeit? „Es gibt zu viele Flüchtlinge, sagen die Menschen.
Es gibt zu wenig Menschen, sagen die Flüchtlinge.“ (Ernst Festl)

Wie wäre es mal mit dem Prinzip der Menschlichkeit? Einer ehrenhaften Freiheit? Dem Prinzip der Wahrheit und Gerechtigkeit?

Ali ibn Abi Talib, ein großer Soziologe, Politischer Theoretiker und spiritueller Führer, brachte es treffend auf den Punkt, als er sagte: „Der Lohn des freien Menschen kann nur Ehre sein.“

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