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Abschiebung! Ein ganzes Leben auf 20 Kilogramm Gepäck

Mariam Demir

„Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie! Sie sinkt mit euch, mit euch wird sie sich heben.“

 

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Tag für Tag werden Menschen, die schon Jahre lang in Deutschland leben, zur Ausreise gezwungen. Hinter jedem dieser Menschen verbirgt sich ein Schicksal und eine lange Geschichte der Flucht. Menschen, die von einer Abschiebung betroffen sind, lebten auf ihrer Flucht nach Deutschland in Unterkünften, Containern, Abschiebelagern und in Abschiebehaft. Sie werden gegen ihren Willen und zum Teil unter Anwendung von Gewalt abgeschoben. Für sie ist eine Abschiebung das Ende jeder Hoffnung auf Sicherheit und Freiheit, und ein Ende auf eine Zukunft frei von Hunger, Armut und Verfolgung. Sie werden in eine ungewisse Zukunft geschickt. Es ist anscheinend nicht wichtig, ob sie gut integriert oder schwer krank sind oder ob andere humanitäre Gründe für ihren Verbleib sprechen. Oftmals haben sie nicht die Möglichkeit, sich von ihren Freunden oder Verwandten zu verabschieden oder einen Anwalt zu kontaktieren.

 

Auch wenn die betroffenen Menschen grundsätzlich wissen, dass ihnen jederzeit eine Abschiebung drohen kann, stellt solch ein Vorgehen ein extrem traumatisierendes Ereignis dar. Jährlich werden ca. 4000 Flüchtlinge aus Deutschland abgeschoben, viele von ihnen werden durch psychologischen Druck gezwungen, „freiwillig“ das Land zu verlassen. Was viele nicht wissen ist, dass auf die Betroffenen Diskriminierung, Kriminalisierung, Isolierung und Kommerzialisierung wartet. Die psychologischen Folgen der Abschiebung kommen als vervielfachender Faktor hinzu.

Leisten die Betroffenen Widerstand, so wird dies mit Hilfe von speziellen Fesselungsgurten, Schutzhelmen und Beruhigungsmitteln unterbunden. Wer sich wehrt, muss mit brutaler Gewalt durch deutsche Polizeibeamten rechnen, die bereits mehrfach tödlich endeten.

Kinder werden direkt aus dem Klassenzimmer abgeführt, Beamten stehen im Morgengrauen vor der Haustür, beim Besuch der Ausländerbehörde im Rahmen der Verlängerung der “Duldung“ werden die Betroffenen festgehalten und abgeschoben. Teilweise haben die Kinder, die hier geboren und aufgewachsen sind, das Land, in das sie abgeschoben werden, noch nie gesehen. In vielen Fällen sprechen kaum oder gar nicht die Sprache dieser Länder.
Oft führt die Abschiebung zur Trennung von Familien, da lediglich ein Teil der Familie das Bleiberecht erhält. In vielen Fällen wurden Kinder quasi zu Waisen, weil ein oder beide Elternteile abgeschoben worden sind.

Es ist anzumerken, dass der Schutz von Ehe und Familie ein Menschenrecht ist, welches auch durch das Grundgesetz Art. 6 GG und die Europäische Menschenrechtskonvention Art. 8 EMRK garantiert wird. Nach dem deutschen Ausländerrecht besteht die Möglichkeit, dass familiäre Interessen bei der Abschiebung berücksichtigt werden; verpflichtend ist das aber nicht!

Die Entscheidung liegt dabei im Ermessen der Behörde. Beim Auseinanderreißen der ausreisepflichtigen Familien wird uns bewusst, dass wir nicht nur eine Schutzlücke im Gesetz haben, sondern auch eine behördliche Rücksichtslosigkeit. Hier wird uns klar, dass die Verantwortung für das Leid vieler Familien, die von der Familientrennung betroffen sind, u.A. auch bei den Behörden liegt.

Es ist wichtig darauf aufmerksam zu machen, dass es dabei um Menschen geht und diese zu jedem Zeitpunkt, Anspruch auf Achtung und Wahrung ihrer Menschenwürde haben. Ein Politikwechsel im Bereich der Einwanderungs-, Aufenthalts- und Flüchtlingspolitik ist zwingend erforderlich.

 

 

 

 

 

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