DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Antimigrantische Migranten

Online-Team

Ein Mann türkischer Abstammung, der ein deutschlandkritisches Buch mit dem eindeutigen Titel ,,Deutschland von Sinnen“ verfasst und publiziert hat, bietet in einem Fernsehauftritt Migranten, die Deutschland kritisieren, fast schon auffordernd an, dieses Land zu verlassen.

Gehen wir nach seiner Logik, handelt es sich hierbei entweder um eine sehr indirekte und raffinierte Äußerung des Wunsches, Deutschland in Richtung Heimat verlassen zu wollen, oder es ist wahrscheinlich schlicht ein Widerspruch, mit dem er sich ganz unabsichtlich aus dem Land schmeißen will.

Die Begründung für seine Kritik, und zwar dass sein Motiv sei, doch nur ein Deutschland aus der Vergangenheit – vereinfacht: ein ,,besseres“ Deutschland – zu verlangen, ist etwas, das er den Migranten, die über Deutschland klagen, nicht absprechen kann. Er hat kein Recht, ihnen eine andere Absicht vorzuwerfen.

Zwischen ihm und denen, die er kritisiert, gibt es also praktisch keinen situationsbezogenen Unterschied: Beide kritisieren Deutschland, weil sie sich sehr wahrscheinlich eine bessere Version dieses Landes wünschen. Darf er hier bleiben, weil er sich trotz Kritik hier heimisch fühlt? Aber wo bleibt dann die Logik und die Gerechtigkeit, wenn er Migranten, die sich darum bemühen, sich in Deutschland heimisch zu fühlen, unverschämterweise ans Herz legt, zu verschwinden. Widersprüchlich wäre es, wenn ich im Zuge meiner Bemühungen, in Deutschland eine Heimat zu finden, auswandere.

Er kritisiert, sie kritisieren. Sie tun dasselbe.

Der einzige Unterschied ist der Inhalt ihrer Kritiken: Das individuelle Urteil darüber, was ,,gut“, ,,schlecht“, ,,besser“ oder ,,schlechter“ ist, entspringt keinem allgemeingültigen Urteilsvermögen und ist häufig dem eigenen Willen unterworfen. Was jemand will, ist das, was er als ,,gut“ erachtet. Wieso erlaubt sich dieser Mann eine Sondergenehmigung in seiner Deutschlandkritik und bietet anderen, die ebenfalls kritisieren, da sie es bisher nicht schafften, sich heimisch zu fühlen, an, zu verschwinden? Er kann innerhalb seiner Kritik-Auswander-Logik keine gerechte Sondererlaubnis rechtfertigen, hier zu bleiben, indem er seine Kritik als ,,richtige“ Kritik zum Ausnahmefall macht. Was für ihn richtig ist, ist für viele andere nicht richtig. Seine Sicht über ,,richtig“ kann er nicht der Gesellschaft aufdrücken.

Was ich interessant finde, ist, dass er zum einen leugnet, dass sich Migranten tatsächlich zwischen zwei Kulturen verloren fühlen, und sich zum anderen wundert und darüber aufregt, dass sich heutige Migranten (besonders aus der Türkei) grundsätzlich von denen aus der ersten Gastarbeitergeneration unterscheiden. Ist das nicht Indiz genug dafür, dass sie irgendwo neben zwei Kulturen schweben? Etwas muss klar sein: Ein Mensch, der in Deutschland entsteht und aufwächst, stammt nicht aus der Türkei, nur weil es bei seinen Eltern der Fall ist.

Kommen wir zum nächsten heiklen Punkt. Er findet es äußerst inakzeptabel, dass es geduldet wird, dass sich Frauen hierzulande öffentlich kopfbedeckt fortbewegen.

Will er etwa den Frauen seinen Willen und sein Urteil über richtig und falsch aufzwingen? Das hatten wir doch schon mal vorhin. Das funktioniert nicht.

Wer als Reaktion darauf, dass vereinzelt Mädchen dem Zwang ausgesetzt sind, das Kopftuch zu tragen, pauschal alle Mädchen dem Zwang aussetzen will, keins zu tragen, der verhält sich genau so wie der Auslöser seiner Reaktion und widerspricht sich. Der einzige Unterschied liegt darin, dass derjenige, der das Kopftuchverbot fordert, mehr als eine Person zu etwas zwingen will, im Gegensatz zum Vater, der ,,lediglich“ seine Tochter zum Tragen zwingt. Und wenn jemand das Kopftuchverbot unabhängig dessen fordert, dass es vereinzelt zum Zwang kommt, dann ist das eine Stufe dreister, denn derjenige akzeptiert einfach den Willen anderer Personen nicht. Diktatorisch.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass manche Menschen Kleidungen nur danach beurteilen, mit welchen Motiven der Träger sie wohl trägt.
Trägt jemand etwas mit der Absicht, sich in jenen Klamotten modisch zu fühlen oder seine Art von Kunst auszuleben, respektieren und bewundern es viel mehr Menschen. Trägt man dasselbe mit einer religiösen Absicht, wird es heikler betrachtet. Die Religion sei nämlich ein Zwang. Diese Menschen vergessen, dass das Einlassen auf religiöse Regeln ebenfalls ein Resultat einer eigenen Entscheidung ist.

Aber was geht uns überhaupt an, mit welchem Motiv jemand etwas trägt? Ist die individuelle Motivation nicht ein Freiraum, den wir jedem gönnen sollten?

Auf vereinzelte Zwänge kann man nicht pauschal mit einem Verbot reagieren. Sowas ist reaktionär. Wenn Person A gezwungen wurde, Person B jedoch Kopftuch tragen will, bestraft man eine von ihnen, wenn man das generelle Tragen verbietet.

Solange das Grundgesetz keinen einheitlichen Dresscode als erforderliche Bedingung zur Integration vorschreibt, soll keiner behaupten, dass sich Integration und Kopftuch ausschließen.

Außerdem ist dieser Mann dafür bekannt, dass er den deutschen Medien vorwirft, bewusst Gewaltdelikte zu verschweigen, deren Opfer Deutsche sind und die Täter muslimisch. Dies begründet er damit, dass die Berichterstatter, und die Deutschen im Allgemeinen, zu einer Art deutschen Selbsthass erzogen wurden und werden und ihren Landsmännern in den Rücken fallen.

Wenn das so ist, dann frage ich mich ernsthaft, was er davon hält, dass eine Bande Nazis sechs Jahre lang durch das Land reisen konnte und über Deutschland verteilt in aller Ruhe Migranten – in erster Linie türkische! – töteten – trotz der rekordverdächtigen Anzahl an V-Männern innerhalb rechtsextremen Kreisen und trotz der Tatsache, dass ihnen einige Gewaltpläne im Vorfeld bekannt waren! Und das alles, um im Nachhinein in der angeblich antideutschen Presse völlig verharmlosend, verallgemeinernd und klischeehaft als ,,Dönermorde“ bezeichnet zu werden, obwohl nicht alle einmal Döner verkauften, ja nicht mal alle türkisch waren. Wenn man die Mordserie an acht unschuldigen Juden und einem Griechen als ,,Bagel-Morde“ bezeichnen würde, dann wären wir mitten in der Antisemitismusdebatte. Bei hauptsächlich an Türken verübten Morden ist das aber nicht möglich, denn deren Volk wurde niemals innerhalb weniger Jahre um sechs Millionen Seelen reduziert… Ist also erstmal ein Genozid an sechs Millionen Türken notwendig, um Begriffe wie ,,Dönermorde“ zu verbieten?

„Die Zahl der solcherlei Weise ermordeten Deutschen wird von offiziellen Stellen bewußt geheimgehalten, es ist aber wohl nicht übertrieben, wenn man taxiert, daß es sich um die Opferanzahl eines veritablen Bürgerkrieges handelt.“, schreibt dieser Mann bezogen auf angeblichen von türkischen Migranten ermordeten Opfern.

Ich weiß nicht, in welchem Land er lebt. Syrien liegt etwas weiter unten.

Während Personen wie Evelyn Hecht-Galinski, die die Israelpolitik berechtigt kritisieren, jüdischer Selbsthass vorgeworfen wird, dürfen Migranten wie er ihrem Unmut gegenüber Islam und Muslimen freien Lauf lassen, ohne dass gleich irgendwelche Psychologen ein neues Wort für dieses Verhalten finden.

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on twitter

AKTUELLES

UNGEFILTERTE GEDANKEN I

Es ist schon nach Mitternacht. Das Licht ist gedämmt. Der Regen klopft unregelmäßig an das Fenster. Ohne Takt, ohne jegliches Gefühl. Er prasselt einfach nieder.

Es ist nichts Neues, in der Tat

Es ist nichts Neues, in der Tat: In Nachrichten wird viel gelogen Attentat um Attentat Wird stets nach neuem Maß gewogen Planen Nichtmuslime böse Taten

Hanau – Weckruf vergessener Menschlichkeit

„Ein Land, in dem die Menschenrechte im Grundgesetz verankert sind, muss in der Lage sein, Menschen vor rassistischen Anschlägen zu schützen, wir Eltern haben schlaflose

Newsletter abonnieren!

Bleibe auf dem laufenden mit unserem Newsletter

Dialog.                                 Förderung. Partizipation.