DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Der ‚Springer’stiefel hat wieder zugetreten….

Jasmin Mazraani

Pünktlich vor dem Fest des Fastenbrechen des Monat Ramadan
erhielten die Muslime besondere Grüße von dem stellvertretenden Chefredakteur
der auflagenstärksten Zeitung Deutschlands. Der Islam, der scheinbar
prinzipiell für das christliche Abendland abzulehnen sei, ist störend. Die Gründe
sind klar (übrigens nicht sonderlich neu), der Islam gebiert mit seiner Lehre
ständig neue Kriminelle, verachtet die Frauen, sodass sie zur Zwangsheirat und
zum Ermorden um der Ehre Willen gerade genug sind, von den Homosexuellen mal
ganz abgesehen, ist antisemitisch und rassistisch durchzogen.

Ja das liest man doch als Muslim gern. Wenn man durch die
Straßen geht und jeden Nichtmuslim, der sich das durchgelesen hat, begegnet, da
kommt Pogromstimmung auf, vielleicht zum „Nicolaus/fest“ hin?

Aber der Islam in Deutschland ist ein höchst interessantes
Phänomen. Zunächst möchte ich gerne jedoch etwas über Plastikwörter erzählen.
Der Begriff, der vom Sprachwissenschaftler Uwe Pörksen geschaffen wurde,
beschreibt Wörter, die alles und nichts bedeuten, die ganz selbstverständlich
und gar wissenschaftlich gebraucht werden, ohne dass eigentlich jemand weiß,
was sie bedeuten. Sie sind inhaltsarm, und werden nur mit Konnotationen
bestimmt, also man verbindet irgendwas mit ihnen. Ich finde, der Islam in Deutschland
ist so ein Plastikwort, das ungeachtet seiner wahren Bedeutung gebraucht wird,
wie man es gerade nötig hat. Die Konnotationen, die ihm die letzten Jahrzehnte
gegeben worden sind, haben sich in die Köpfe und Herzen so dermaßen
eingebrannt, das man all jenes ausblendet, was diesen Konnotationen
widersprechen würde. Sogar Muslime selbst denken als erstes bei einem
Terroranschlag, bei einer Straftat, beim Mord einer Frau etc.: Was für ein
Muslim war es denn dieses Mal?

Diese wirklich beeindruckende ‚Leistung’ schafft auch die Zeitung,
die in Deutschland am meisten gekauft wird. Aber seien wir ehrlich, wer will
schon hören, dass immer mehr Muslime Abi- und akademische Abschlüsse haben,
dass Muslime regelmäßig im Friedensdialog mit anderen treten, dass Muslime ganz
selbstlos regelmäßig spenden, dass Muslime an dem Wiederaufbau Deutschlands
beteiligt waren, dass die Mehrheit der Muslime eben keine Kriminellen sind,
dass die Mehrheit der Muslime nicht ihre Töchter aus Ehre oder sonst
irgendeinen Grund tötet, dass die Mehrheit der Muslime keine Homosexuellen
verachtet, dass die Mehrheit der Muslime hier in Deutschland ganz ruhig und
friedvoll lebt…? Was bringt uns das schon, das zu wissen?

Wenn wir wissen, wer für den schlechten Zustand
verantwortlich ist, und besonders dass es der ge’bild’ete Deutsche nicht ist,
dann ist doch alles gut…bis er wieder rechtfertigen muss, warum der Hass ihn so
blind werden ließ.

Aber Massen können, so der Massenpsychologe Gustave le Bon, zu
Kollektivhalluzinationen neigen, wenn Bilder zusammenhangslos aneinander
gereiht werden. „Die Vernunft beweist die Zusammenhangslosigkeit der Bilder,
aber die Masse beachtet sie nicht und vermengt die Zusätze ihrer entstellenden
Phantasie mit dem Ereignis. Die Masse ist unfähig, das Persönliche von dem
Sachlichen zu unterscheiden. Sie nimmt die Bilder, die in ihrem Bewusstsein
auftauchen und sehr oft nur eine entfernte Ähnlichkeit mit der beobachteten
Tatsache haben, für Wirklichkeit.“ (Gustave le Bon, „Psychologie der Massen“
2014, S. 46)

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on twitter

AKTUELLES

UNGEFILTERTE GEDANKEN I

Es ist schon nach Mitternacht. Das Licht ist gedämmt. Der Regen klopft unregelmäßig an das Fenster. Ohne Takt, ohne jegliches Gefühl. Er prasselt einfach nieder.

Es ist nichts Neues, in der Tat

Es ist nichts Neues, in der Tat: In Nachrichten wird viel gelogen Attentat um Attentat Wird stets nach neuem Maß gewogen Planen Nichtmuslime böse Taten

Hanau – Weckruf vergessener Menschlichkeit

„Ein Land, in dem die Menschenrechte im Grundgesetz verankert sind, muss in der Lage sein, Menschen vor rassistischen Anschlägen zu schützen, wir Eltern haben schlaflose

Newsletter abonnieren!

Bleibe auf dem laufenden mit unserem Newsletter

Dialog.                                 Förderung. Partizipation.