DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Islamismus und Islam in den Medien

Online-Team

Was ist der Unterschied zwischen dem muslimischen Täter und seinem muslimischen Opfer? Der ,,muslimische“ Täter gilt medial stets als eiserne islamisch-repräsentative Instanz, während über die religiöse Ausübung, Auslegung und Existenz seines regelmäßigen Opfers, der an einem Freitag-Mittag nach dem wöchentlichen Freitagsgebet einem Attentat zum Opfer fiel, kaum ein Wort verloren wird.

Gibt es denn überhaupt muslimische Opfer? Ja, die gibt es. Und die Frage, ob es sie gibt, gibt es tatsächlich auch. Diese werden ja immerhin kaum thematisiert, während ihre Mörder mit aller Liebe zum Detail präsentiert werden.

Die Folge ist, dass Artikel und Berichterstattungen, die regelmäßig nach solch einem Attentat in Europa oder anderswo veröffentlicht werden, stets nur eine (radikale) Strömung, die sich dem Islam zuordnet, publik machen und zig andere Strömungen, die dieser einen teilweise zum Opfer fallen, gleichzeitig verschwiegen oder nicht annähernd im selben Maße vorgestellt oder erläutert werden.

Im Zuge dessen entstehen in den Köpfen der Menschen, die auf die Presse angewiesen sind, da sie nicht vor Ort leben, ganz berechtigte Fragen: Wieso machen Muslime sowas? Das Problem hierbei ist nicht unbedingt diese Frage selbst, sondern das Wegbleiben ganz anderer Fragen, die der Differenzierung innerhalb der andauernden Debatte ganz hilfreich sein könnten, und zwar, wieso andere Muslime sowas eben nicht machen, ständig der einen Richtung zum Opfer fallen, oder welche Auslegungen es im Islam überhaupt gibt und was die Ursachen sind.

Im Grunde genommen habe ich im wesentlichen aus dreierlei Gründen ein Problem mit dieser alltäglichen medialen Kausalität: Erstens stört es mich als Muslim, aber viel mehr als differenzierenden Menschen, dass sich ständig Islamkritiker hervortun, die die jahrhundertelange innerislamische Diskussion zwischen den zahlreichen Konfessionen (ja, die gibt es) ganz flott mit dem Ergebnis beenden, dass ausgerechnet die radikalste Strömung unter ihnen nun die islamisch korrekteste sei. Der Rest ist also falsch, ganz nach extremistischer Manier.

Das zweite ist unser ganz falsches Verhalten gegenüber den Opfern: Ihnen wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Die öffentliche Meinung beinhaltet nicht das relevante Wissen darüber, dass die meisten Opfer solcher Attentate und Angriffe immer noch Muslime sind (siehe Irak, aber auch Pakistan, Afghanistan, jüngst der Libanon und etliche andere Länder).
Man möge sich vorstellen, wie die muslimische Mutter eines Opfers nach seiner Ermordung ständig zu lesen kriegt, dass ihr Sohn der korrekten Auslegung ihrer eigenen Religion zum Opfer fiel, oder vereinfacht, dem Islam zum Opfer fiel.

Drittens erwarte ich von sogenannten Intellektuellen, den Journalisten, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden (wie es Intellektuelle ja sein sollten). Immerhin verbreiten sie die Informationen. Zu behaupten, jeder könne sich selbst vor Ort informieren, wenn man mit dem Resultat dieser Journalisten nicht einverstanden sei, ist nicht ganz logisch, denn: Wieso gibt es denn Journalisten? Weil sich eben nicht jeder Mensch – aus zeitlichen Gründen oder anderen – selbst informieren kann, weshalb sich Journalisten dadurch definieren, sich selbst unter den Massen aufzuopfern, zeitaufwendige Forschung betreiben und die große Mehrheit der Menschen bilden und die öffentliche Meinung prägen – sie nehmen der Mehrheit eine notwendige Arbeit ab.

Halte ich einem Menschen durchgehend Fürchterliches vor Augen, entsteht Angst. Besonders unter Menschen, die ohnehin radikalisiert sind, einen niedrigen Lebensstandard durchleben, von sozialen Problemen geplagt sind und weiteres, kann Angst ganz abscheuliche Folgen haben (Stichwort: Moscheebrände).

Aber kommen wir nochmal zurück zur Frage. Warum machen ,,Muslime“ sowas? Und die zweite Frage: Warum machen es andere unter ihnen nicht?

Der Grund ist ganz einfach: Der Koran ordnet diese Handlungen nicht an. Würde er dies tun, so würde es ganz sicher mehr als nur eine Minderheit geben, die solche Anschläge verübt, insbesondere in den Ländern, in denen er verbreitet ist, die fast durchgehend von Missständen geplagt sind, welche den größten Nährboden für Radikalisierungen bieten. Missstände, die Gegenpositionen gar nicht erlauben würden. Es braucht nur eine Person, die in einem Freitagsanschlag 400 Menschen tötet. Das ist ein Täter-Opfer-Verhältnis von 1:400, also machen wir lieber nicht die schuldige Minderheit zur Mehrheit und die unschuldige Mehrheit zur Minderheit.

Ist der Islam Grund oder Vorwand für den Krieg der ISIS? Gehe es der ISIS um die Etablierung des Islam selbst, so würden sie sich eher ähnlichen militanten Gruppen mit dem selben Ziel anschließen, aber sie alle, die sich bekämpfen, denken nicht daran.

Würde es immer noch so viele Extremisten geben, wenn die Gesamtheit der Muslime in gutbürgerlichen und fortgeschrittenen (Bildungs-) Verhältnissen aufwachsen würde? Nein. Gehen wir doch davon aus, dass der Koran (unter einem anderen Namen) tatsächlich auf solch einer primitiven Art und Weise Gewalt anordnen würde (was er nicht tut), wie behauptet wird. In einem fortgeschrittenen Land wie Deutschland würde man eher demjenigen, der diesen primitiven Anordnungen folgt, Schuld geben, als den ganz offensichtlich primitiven Anordnungen selbst. Nach dem Motto: Wer darauf reinfällt, ist selber Schuld.

Wieso gilt dasselbe nicht für Radikalisierungen innerhalb arabischer Länder? Es sind nicht etwa Armut, Krieg und ein bildungsleerer Lebensstandard daran Schuld, dass sich Menschen radikalisieren?! Missstände, für die in erster Linie westliche Länder verantwortlich sind!

Share on facebook
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on twitter

AKTUELLES

UNGEFILTERTE GEDANKEN I

Es ist schon nach Mitternacht. Das Licht ist gedämmt. Der Regen klopft unregelmäßig an das Fenster. Ohne Takt, ohne jegliches Gefühl. Er prasselt einfach nieder.

Es ist nichts Neues, in der Tat

Es ist nichts Neues, in der Tat: In Nachrichten wird viel gelogen Attentat um Attentat Wird stets nach neuem Maß gewogen Planen Nichtmuslime böse Taten

Hanau – Weckruf vergessener Menschlichkeit

„Ein Land, in dem die Menschenrechte im Grundgesetz verankert sind, muss in der Lage sein, Menschen vor rassistischen Anschlägen zu schützen, wir Eltern haben schlaflose

Newsletter abonnieren!

Bleibe auf dem laufenden mit unserem Newsletter

Dialog.                                 Förderung. Partizipation.