DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Feindbilder

In einem Land, in dessen Hand vor rund 70 Jahren, Menschen vergast waren, läuft etwas gewaltig böse, wenn teilweise seriöse Vergleiche zum dritten Reich – ganz gleich, welche Bereiche – unmittelbar verworfen werden, wie Abfallnahrung den Herden.

In einem Land wie diesem, durch dessen grüne Wiesen, Mutter und Kind man deportierte und schwarzen Kammern servierte, duldet man den, der Deutsche zu Nazis eint, mehr als den, der Nazis zu erkennen meint.

Denn während täglich Nazis wüten, fällt’s euch leicht, sie zu hüten, indem ihr behauptet, „man relativiert“, wenn einer überhaupt kritisiert, dass heute annähernd Ähnliches passiert, wie anfangs damals den Juden.

Was ich damit mein‘? Keine KZ’s, nein! Doch muss es erst dazu kommen, um zu weit zu sein?

Ich mein‘ vielmehr den fiktiven Feind, durch den ihr euch gegen uns vereint.
Den Feind, den ihr euch selbst habt erbaut und Migranten aufsetzt, die ihr haut.
Doch bevor du darum bangst, wo eure Feinde wohl lauern, würde ich gern‘ untermauern: Euer Feind ist eure Angst.

Ich habe kein Feindbild, nein, ich lese kein Bild, doch zurück zum Thema: Wie soll man die Rückkehr früherer Fehler unterbrechen, wenn man gänzlich untersagt, über diese Fehler zu sprechen oder gar zu vergleichen mit aktuellen Bereichen? Während man soweit die Einzigartigkeit der Abartigkeit des Judenhasses betont, zeigen Pegida-Tendenzen, die die „deutsche“ Feindesliste ergänzen, dass dies sich vielleicht auf Dauer nicht lohnt. Dieser Judenhass von damals ist vielleicht bald nicht mehr nur von „damals“, doch anders als damals kommen ins Feindbild nun Muslime hinzu.

Erst war mir das graugeword’ne Deutschland zu viel, doch jetzt bringt der Zeichner ausgerechnet mit Blut Farbe ins Spiel. Bevor dieses Land wieder das Kopftuch beklagt: Entfernt das Gewand, das auf euren Herzen tagt!
Und während ihr die deutsche Sprache zuhause fordert, verlasse ich ganz alleine das Haus und begebe mich auf die Suche nach einem Sprachkurs der Toleranz.
Bevor man zuhause ausschließlich deutsch sprechen muss, bin ich längst auf der Straße.

Ich las, „nach beliebigen Fehlern gewinnt man an Reife“, doch Deutschlands Zerstören-Und-Bereuen ist ’ne Endlosschleife.

Denn damals marschierten sie, und heute marschieren sie. Damals attackierten sie und heute attackieren sie. Damals verbannten sie und heute verbannen sie. Damals verbrannten sie und heute verbrennen sie. Doch weder damals erkannten sie, noch heute erkennen sie, dass wir erst Nationalflaggen heben, um dann Faschismus zu schwenken, doch wenn wir schon uns’re Herzen abgeben, dann lasst sie uns schenken! Und an alle, die um euch zu lenken, euch zu denken geben, es ginge euch schlecht: Geht ins Krankenhaus, anstatt dass ihr andere ansteckt.

Das Problem, das auftaucht, wenn man ständig die Einzigartigkeit im Judenhass von damals betont, ist, dass man sich dann fahrlässig in den nächsten, für unmöglich gehaltenen Judenhass begeben kann, und schlimmer, seinen Hass nun auf neue Gruppen, Flüchtlinge und Muslime, ausbreiten kann.

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