DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Eine kleine Geschichte über das WIR

Svea Brunken

„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“

Einfache Worte.
Immanuel Kant formuliert sie, als sei es etwas kaum Überwindbares, etwas Hochkompliziertes, etwas, das nicht jeder in der Lage ist zu schaffen. Dieser kluge Mann fordert einen jeden dazu auf, nicht wahllos der Masse zu folgen, sondern nachzudenken, zu wählen, und erst dann zu entscheiden. Und ja: es braucht manchmal Mut dazu. Vor allem in jüngster Zeit kam kaum einer von uns um eine Positionierung herum. So viele Ereignisse, so viel Presse und Aufregung, man kommt kaum drum herum, auch nicht in Familie, Freundeskreis, Schule, Uni oder Arbeitsplatz. Also was tun wir? Schließen wir uns einfach der Meinung derer an, die wir am liebsten mögen oder der vorreitenden Meinung der Medien? Kant macht den entscheidenden Schritt, zu bekennen, dass selber nachdenken scheinbar Mühe macht und Mut kostet, doch wenn wir ihn nicht aus eigener Kraft nutzen, wozu haben wir dann unseren Verstand?

Dies soll keine Liebeshymne für Kant darstellen, und doch schrieb er so Vieles, was uns in diesen Tagen so hilfreich und wegweisend sein kann.

„Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“

Wer oder was ist der Grund für unser Handeln? Ist unser Umgang mit unseren Mitmenschen so, wie wir uns Umgang mit uns selbst wünschen?Instrumentalisieren wir einander oder handeln wir füreinander?

Jeder Mensch, der mir begegnet, in der U-Bahn, in der Uni, auf der Straße, meine Schwester, jeder fasziniert mich. 7 Milliarden Menschen, alle haben ein Gesicht, zwei Augen, eine Nase einen Mund, und doch sieht jeder anders aus. 7 Milliarden Variationen von nur so wenigen Komponenten. Und so ist unsere größte Gemeinsamkeit unsere Unterschiedlichkeit.

„Die leichte Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen, dass es ihr im luftleeren Raum noch viel besser gelingen werde.“

Betrachteten wir unsere Unterschiede, wie die Taube die Luft betrachtet, so würde uns schnell bewusst werden, wie einfältig und einfach dieser Gedanke ist. Beseitigte man unsere Unterschiede, seien es Vorlieben, Geschmack, Hautfarbe, Nasengröße, Religion, Lebenseinstellung, Partnerwahl oder die kleinen Marotten eines jeden von uns, würde das gesamte Konstrukt der Welt nicht funktionieren, ebenso wie die Taube im luftleeren Raum keinen Flügelschlag zu tun vermag. Wären wir alle gleich, so würden wir merken und verstehen, dass dies nicht glücklicher macht, ja sogar unmöglich wäre.
Und trüge dies nicht auch zu großer Unzufriedenheit bei, welche durch die eigene Verarmung seiner Selbst verursacht würde?! Die eigene Vervollkommnung kann nur durch die Reflexion seiner Selbst im Vergleich zu Vorherigem, Altem und Verworfenem stattfinden. Entwicklung. Das wahre Glück zu finden, kann auch bedeuten, seinen eigenen Platz gefunden zu haben; als Individuum, als Teil einer Gesellschaft voller Unterschiede, die uns wiederum vereinen.

Und auch hat dieser schlaue Mann gesagt:

„Die Schöpfung ist niemals vollendet. Sie hat zwar einmal angefangen, aber sie wird niemals aufhören.“

Für mich sagt es aus, dass wir alle Geschöpfte Gottes sind, und wir sollten uns des Wortes WIR besinnen, nicht IHR, denn was ich endlich wieder fühlen möchte, ist das stärkste aller Gefühle:

Das Gefühl des WIR!

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