DIALOG.FÖRDERUNG.PARTIZIPATION.

Eine Frage der Empathie

Zahraa Ghazi

Wir befinden uns gerade in einer Zeit, die sehr viel von uns Menschen abverlangt. Seien es die Einschränkungen, denen wir alle mehr oder weniger ausgesetzt sind oder die neuen Herausforderungen, die mit der Pandemie einhergehen. Was diese Zeit vielleicht jedoch auch an positiven Dingen mit sich bringt ist, dass vieles nochmal von Neuem überdacht werden kann, vor allem unsere Bildungssysteme. Unsere Kinder sind zu Hause. Was lernen unsere Kinder eigentlich in der Schule?

Homeschooling mag vielen viel Kraft abverlangen, vielleicht auch, weil viele Eltern gar nicht die Kapazitäten haben ihre Kinder so zu unterstützen, wie sie es eigentlich gerne tun würden. Etwas, was sich heute ereignet hat war, dass meine jüngere Schwester (12 Jahre alt) und ihre beste Freundin, wie mittlerweile an jedem anderen Tag auch gemeinsam am Online Unterricht teilnahmen. Ich war gerade in einem anderen Zimmer, habe aber dennoch nebenbei ihrem Unterricht gelauscht. Das Thema der heutigen Deutsch Stunde war: Was hat dich schon einmal traurig gemacht? 

Nach der Reihe sagte jedes Kind einen Satz. Als ein Junge dann an der Reihe war, stimmte sein Gesagtes mich sehr traurig. Das Kind im Meeting sagte folgendes: „Ich war traurig als mein Opa an meinem Geburtstag gestorben ist.“ Dieser Satz hat mich in dem Moment sehr schweigsam gestimmt. Ich fand es sehr bemerkenswert, dass ein kleiner Junge so mutig war, vor ca. 25 weiteren Menschen so offen über seine Trauer zu sprechen. Was mich jedoch im nächsten Moment umso trauriger stimmte war die Reaktion der Lehrerin. Die Lehrerin ging überhaupt nicht auf den Inhalt des Gesagten ein, sondern wies das Kind in dem Moment einfach nur darauf hin, dass es eine falsche Konjunktion verwendet hätte und es nicht „als“, sondern „weil/dass“ heißen müsste. Die Lehrerin beendete den Satz indem sie sagte, „Ja ja sehr traurig, XY du bist jetzt dran.“ In diesem Moment hätte man den Raum wieder mit neuem Leben füllen können, man hätte dem Kind vielmehr mitgeben können, als die Kenntnis darüber, die richtige Konjunktion zu verwenden.

Die Pandemie hat bereits sehr viele Leben abverlangt und die wesentlichen Fragen des Lebens, vor denen wir sonst immerzu die Augen verschließen konnten, solange diese gerade nicht unmittelbar Relevanz in unserem eigenen Leben hatten, werden immer allgegenwärtiger. Leben und Tod. Natürlich ist es wichtig (in unserem Fall) das 1×1 der deutschen Sprache zu beherrschen, weil die Sprache ein Schlüssel ist. Was in diesem Fall jedoch außer acht gelassen wurde ist, dass jeder Schlüssel bedeutungslos ist, wenn es kein passendes Schloss für diesen gibt. So ist auch keine Sprache von Bedeutung, wenn diese nicht von der Empathie geführt wird. Es gibt nämlich Situationen im Leben, in denen es nicht immer Worte sind oder sein können, die unsere Herzen in kalten Zeiten mit Wärme füllen, sondern die Empathie, die ein Mensch uns entgegenbringt. Denn selbst, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprachen, so blieb eine Sprache,- nämlich die Sprache des Herzens, welche Gott erschuf und für jeden Menschen zugänglich machte.

Möge diese Zeit uns lehren, dass wir wieder beginnen müssen uns Zeit für die wirklich relevanten Fragen des Lebens zu nehmen, vor denen es kein Entkommen gibt. Bildung beginnt nämlich im Herzen, denn die Essenz des Wissens ist, dass dieses zu einem Licht für alle wird, die auf ihrem Weg mit diesem Wissen in Berührung kommen und dass es ihre Herzen erleuchtet. Und so bleibt nur noch zu sagen, dass es etwas gibt, was die Sprache überdauert und zwar das Gefühl, welches wir einem Menschen in Zeiten seiner Trauer geben können. Und so ist in Wahrheit letztlich alles einzig und allein eine Frage der Empathie. 

~ Zahraa Ghazi

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